Unruhe um Naturfriedhof: Stadt Nittenau will Vertrag einseitig kündigen

Wie Anfang März 2021 in der Presse zu lesen war, beabsichtigt  die Stadt Nittenau, den vor ihr formulierten Dienstvertrag mit der Schlosswald GmbH zum Betrieb des Naturfriedhofs einseitig zu kündigen. Grundlage ist eine Kritik von Seiten des Bayerischen Kommunalen Prüfungsverbands (BKPV) bezüglich der Kalkulation und einer fehlenden Ausschreibung.

Inzwischen hat die Stadt Nittenau das Prüfungsergebnis des BKPV dahingehend genutzt, den mit der Schlosswald GmbH geschlossenen Vertrag außerordentlich zu kündigen, um den Betrieb des Naturfriedhofs anschließend neu auszuschreiben.

Nach fünf friedlichen Jahren für den Schlosswald beginnen nun wohl wieder stürmische Zeiten.

Was bedeuten die aktuellen Geschehnisse für die Erwerber von Grabstellen im Naturfriedhof Schlosswald?

Urnenbeisetzungen bei bereits erworbenen Grabstellen können weiterhin durchgeführt werden.

Was bedeuten die aktuellen Geschehnisse für Trauernde, die bisher keine Grabstelle im Naturfriedhof Schlosswald erworben haben?

Die Stadt Nittenau hat verfügt, dass bis auf weiteres keine neuen Grabstellen beim Naturfriedhof Schlosswald Regental vergeben werden dürfen.

Update 29.03.2021: Der erste runde Tisch zwischen Jürgen Kölbl von der Schlosswald GmbH und Vertretern der Stadt Nittenau fand statt – bisher ohne weitere Ergebnisse.

Update 29.10.2021:  Seit der der Kündigung des Betreibervertrages durch die Stadt NIttenau im März 2021 hat es nun insgesamt drei Treffen zwischen Jürgen Kölbl von der Schlosswald GmbH und Vertretern der Stadt Nittenau gegeben. Eine Annäherung – oder gar eine Einigung – im Vertragsstreit offenbart sich jedoch als schwieriges Unterfangen. Deswegen ist die Reservierung neuer Grabstellen weiterhin nicht möglich und Beisetzungen können ausschließlich an Grabstellen durchgeführt werden, die Kunden bereits vor der Vertragskündigung reserviert haben.
Folgende Sachverhalte wurden inzwischen geklärt: Die Stadt Nittenau hat den Vertrag auf Grundlage der Aussagen des Prüfungsverbandes gekündigt – vom Prüfungsverband selbst wurde der Vertrag hingegen „weder für nichtig noch für unwirksam erklärt oder gar kassiert“. Das zuständige Verwaltungsgericht hat ferner festgestellt, eine „wirksame außerordentliche Kündigung [sei] wohl nicht anzunehmen“.  Da die Stadt Nittenau seit Januar 2021 alle Zahlungen zurückhält, hat die  Schlosswald GmbH nun eine entsprechende Klage beim zuständigen Verwaltungsgericht in Regensburg eingereicht.

Die Presseberichterstattung im Einzelnen:

Konflikt um Naturfriedhof – Mittelbayerische Zeitung, Ausgabe vom 29.10.2021, Schwandorf, S. 34

In ihrem Kommentar fordert Cornelia Lorenz von der MZ die Vertragsparteien auf, baldmöglichst eine Lösung zu finden – oder zumindest pragmatische Zwischenlösung anzubieten. Denn die aktuelle, weiterhin verfahrene Situation belastet nicht nur die beiden Vertragsparteien selbst, sondern sie trifft vor allem auch jene Menschen, die momentan einen Trauerfall zu beklagen haben und die Beisetzung im Naturfriedhof nicht wie gewünscht durchführen können.

Naturfriedhof: Zukunft bleibt ungewiss – Mittelbayerische Zeitung, Ausgabe vom 10.06.2021, Schwandorf, S. 29

Wir wollen unseren Schlosswald wieder haben – Regental-Anzeiger, Ausgabe 07-21, S. 6

LESERBRIEF: Trauer in Würde ist sehr wichtig:
„… Wir denken dauernd an alle Trauernden, die diesen Weg nicht gehen können. Nicht vorzustellen, dass einige Urnen zur Bestattung bereit stehen und ihren letzten Weg nicht gehen können… Was ist das für eine Unmenschlichkeit?… Es kann nicht sein, dass solche Vorkommnisse auf dem Rücken trauernder Menschen ausgetragen werden… Wir wünschen uns im Namen aller, dass es zu einer schnellen Lösung kommt…“ – Mittelbayerische Zeitung, Ausgabe vom 12.04.2021

Streit: Urnen stehen einfach herum – Mittelbayerische Zeitung, Ausgabe vom 09.04.2021, Schwandorf

Naturfriedhof: Boml räumt Fehler ein – Mittelbayerische Zeitung, Ausgabe vom 25.03.2021, Schwandorf

Naturfriedhof: Wo steckt der Fehler? – Mittelbayerische Zeitung, Ausgabe vom 23.03.2021, Schwandorf

LESERBRIEF: „Schlosswald: Mit Knopfdruck soll Lebenswerk vernichtet werden“ – Ostbayern-Kurier, Ausgabe vom 20.03.21, Region Nittenau

Schlosswald: Trauer- und Zahlungsstau – dennoch Licht am Ende des Tunnels? – Ostbayern-Kurier, Ausgabe vom 18.03.21, Region Nittenau

Naturfriedhof: Schock für den Betreiber. Die Stadt Nittenau hat den Vertrag überraschend gekündigt. – Mittelbayerische Zeitung, Ausgabe vom 10.03.2021, Schwandorf, S. 29

Unruhe um Naturfriedhof: Stadt Nittenau löst Vertrag mit Betreiber – Ostbayern-Kurier,  Ausgabe vom 09.03.21, Region Nittenau

Eine Antwort auf „Unruhe um Naturfriedhof: Stadt Nittenau will Vertrag einseitig kündigen“

  1. Hallo Zusammen,
    ich bin einigermaßen erstaunt über das Schreiben der Stadt Nittenau und kann und möchte nicht verstehen, was der Bayerische Kommunale Prüfungsverband wohl für große Beanstandungen hatte, damit die Stadt Nittenau die Kündigung des Dienstleistungsvertrages als alternativlos ansieht. Ich finde dieses Schreiben zutiefst verstörend und den ganzen Vorgang als absolut unangebracht, unangenehm und unnötig.
    Ich schreibe Ihnen nur deshalb, weil ich Ihnen Mut machen möchte. Geben Sie bitte nicht auf. Alles was am Schlosswald geschaffen wurde ist einzigartig schön. Es ist ein friedlicher und wunderschöner Ort, an dem man seine verstorbenen Angehörigen besucht und ihnen in einer friedlichen und wunderschönen Umgebung gedenkt. Der Ort spendet Trost.
    Trost haben aber auch all jene Personen gespendet, die diesen Ort geschaffen haben und die Angehörigen von der Auswahl der Grabstelle, über die Plakette bis hin zur Beisetzung begleiten. Es ist ein besonderer Ort mit besonderen Menschen.
    Solch ein Ort sollte unter keinen Umständen zu einem Objekt von wirren Verwaltungsakten werden, da er für die, die ihre Angehörigen dort beigesetzt haben eine tiefere spirituelle Bedeutung hat.
    Ich hoffe aus tiefsten Herzen, dass dieser Ort in seiner jetzigen Form und Ausformung bestehen bleiben kann und wünsche dem Team des Schlosswaldes alles Gute.
    Mit freundlichen Grüßen…
    [Schreiben per E-Mail, Urheber wollte nicht namentlich genannt werden]

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